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Gastbeitrag

Familienfeste fotografieren

Familienfeste fotografieren

Der intime Rahmen von Familienanlässen bietet reichlich Gelegenheit, Emotionen festzuhalten. Was gibt es Schöneres, als das pure Glück einzufangen? Am besten gelingt es, wenn du ein Mitglied der Familie bist.

Spontanität festhalten

Spontan geschossene Fotos können Emotionen besser festhalten als gestellte Bilder. Dazu musst du allerdings die Kamera immer schussbereit halten, sonst sind die Glückmomente schon vorbei. Sich unbemerkt nah an eine Person heranzuwagen, sie länger ins Visier zu nehmen und im richtigen Augenblick auf den Auslöser zu drücken, hat etwas von einer fotografischen Motivjagd.

Echte Emotion entsteht in der Folge eines spontanen Auslösers. Als Fotografin muss man solche Momente vorausahnen.
Echte Emotion entsteht in der Folge eines spontanen Auslösers. Als Fotografin muss man solche Momente vorausahnen.
Der besondere Moment wartet nicht – sei bereit, wenn er kommt.
Der besondere Moment wartet nicht – sei bereit, wenn er kommt.

Den guten Fotografen nimmt man auf dem Familienfest fast gar nicht wahr. Wenn du in einer persönlichen Beziehung zu den Abgebildeten stehst, werden sie dir ihre beste Seite präsentieren. Du hast gegenüber einem Berufsfotografen einen riesigen Vorteil und solltest ihn nutzen. Emotionen stecken in Personen, nicht in Dingen. Selbstverständlich sollst du auch Gläser, die Tischdekoration oder das Ambiente fotografieren, aber die wahren Hauptdarsteller eines Familienanlasses sind die teilnehmenden Personen: das Brautpaar, das Geburtstagskind, die Jubilare und ihre Gäste.

Vorbereitung

Bei der Vorbereitung solltest du dir den Ablauf vorstellen. Findet der Anlass draußen oder drinnen statt, tagsüber oder abends? Welches Licht herrscht vor? Willst du mit bestehendem Licht fotografieren oder musst du einen Blitz einsetzen? Wie wird sich das Blitzlicht auf die Lichtstimmung auswirken? Stören die Blitze das Fest? Die Objektive, die ich für solche Anlässe einsetze, sind Festbrennweiten von 35 oder 50 mm. Ein Zoom im Brennweitenbereich von 18 bis 200 mm ist auch im Gepäck. Ein Stativ setzte ich meist nicht ein, weil es zu unhandlich ist und sich für das Abbilden von Spontanität nicht eignet.

Übersichtsfotos sind für die Erinnerung – emotional wirken sie meistens nicht.
Übersichtsfotos sind für die Erinnerung – emotional wirken sie meistens nicht.

Smartphone-Kameras werden immer besser und können ebenfalls eingesetzt werden, zum Beispiel als Filmkameras. Technisch gesehen besteht jedoch eine Diskrepanz zu „richtigen“ Fotokameras: Mängel wie Verwackelung, Unschärfen, Bildrauschen usw. treten erst bei einer Vergrößerung auf Fotopapier oder in Fotobüchern in Erscheinung. Speziell bei wenig Licht werden Handyfotos schnell mal pixelig.

Personen nicht von hinten fotografieren

Das Gesicht ist der Körperteil, der für die Emotionen spricht. Fotografiere Menschen möglichst von vorne oder wenigstens von der Seite. Sofern du nicht die Frisur einmal im Fokus hast, sind Hinterköpfe für die Betrachter der Fotografie nicht interessant. Oft warte ich in Lauerstellung mit der Kamera vor dem Auge, bis die Personen den Gesichtsausdruck zeigen, den ich festhalten will. Dann drücke ich mehrmals auf den Auslöser und fange eine ganze Serie ein. Ich arbeite aber nicht mit der Serienfunktion, sondern fotografiere und inszeniere jedes Bild einzeln in einem Flow.

Die Gesichter machen die Emotionalität aus. Geh nah ran und beschneide die Fotos entsprechend.
Die Gesichter machen die Emotionalität aus. Geh nah ran und beschneide die Fotos entsprechend.

Einzelporträts und Mehrpersonenfotos

Einzelne oder zwei Personen kann man mittels „Anschleichtechnik“ gut ins Bild setzen, ohne dass sie es merken. Je mehr Menschen im Bild sind, desto weniger geht eine spontane Auslösung. Die Gefahr besteht zudem, dass immer eine Person mit den Augen zwinkert oder sonst irgendwie unvorteilhaft abgebildet ist. Ab drei Personen fotografiere ich inszeniert: Ich bitte um ein Foto, stelle die Gruppe zusammen, korrigiere das Posing oder die Stellung innerhalb der Gruppe und mache letztlich drei oder vier Bilder, von denen ich zum Schluss das beste auswähle.

Einzelporträts gelingen in einer unerzwungenen Atmosphäre in der natürlichen Lichtstimmung.
Einzelporträts gelingen in einer unerzwungenen Atmosphäre in der natürlichen Lichtstimmung.
Schaffe zwischen zwei Personen möglichst engen Körperkontakt. So entsteht emotionale Wärme.
Schaffe zwischen zwei Personen möglichst engen Körperkontakt. So entsteht emotionale Wärme.
Ruf den Personen zu «… Und jetzt zu mir schauen!». Strebe den direkten Blickkontakt der abgebildeten Personen zur Kamera an.
Ruf den Personen zu «… Und jetzt zu mir schauen!». Strebe den direkten Blickkontakt der abgebildeten Personen zur Kamera an.
Bei inszenierten Fotos mit mehreren Personen müssen Fotografen kurze Anweisungen über Positionierung der Personen und das Posing erteilen. Das vielgehörte «Cheese» gehört nicht dazu.
Bei inszenierten Fotos mit mehreren Personen müssen Fotografen kurze Anweisungen über Positionierung der Personen und das Posing erteilen. Das vielgehörte «Cheese» gehört nicht dazu.
Dynamisch und spontan wirken Gruppenaufnahmen lebendiger als die üblichen gestellten Familienfotos.
Dynamisch und spontan wirken Gruppenaufnahmen lebendiger als die üblichen gestellten Familienfotos.

Bei Einzelpersonen sind die Mimik und das Licht zentral. Überraschte, fragende, herausprustende oder auch nachdenkliche Gesichter sind mit hohen Emotionen beladen und wirken besonders stark. Emotionen kannst du jedoch nur einfangen, wenn du die Kamera am Auge hast und die Gelegenheit suchst. Wo wird gerade ein Witz erzählt, wo wird gerade gelacht, wo steppt der Bär

Beziehungen sind innerhalb der Familie einzigartig, und ich versuche, solche Beziehungen mit der Fotografie herauszuarbeiten. Die Mutter- oder Vater-Kind-Beziehung zeigt eine besonders starke Bindung, während die Beziehung zwischen Großeltern, Paten oder sonstigen Verwandten etwas weniger intensiv wirken kann. Aber auch Liebesbeziehungen oder langjährige Partnerschaften können sehr schön festgehalten werden. Die Mimik und die Stellung der abgebildeten Personen zueinander sind dabei wichtig.

Ambiente und Details

Anlässe finden meistens in einem besonderen Ambiente statt. Das beginnt bei der besonderen Lokalität und hört bei der Tischdekoration auf. Bei manchen Anlässen ist es möglich, sich im Vorfeld um solche wichtigen Details für eine abgerundete Fotostory zu kümmern.

Tischdekos oder das Raumambiente fotografierst du lieber in Ruhe vor dem Anlass.
Tischdekos oder das Raumambiente fotografierst du lieber in Ruhe vor dem Anlass.

Das Licht

Natürliches Licht entspricht immer der vorhandenen Stimmung. Tagsüber ist natürliches Licht meistens die richtige Lichtart. Wenn es dunkel wird, oder auch in Innenräumen, ist schwaches Licht vorhanden. Wer scharfe Bilder haben will, muss den ISO-Wert kräftig hochschrauben, was bei kurzen Belichtungszeiten zu Bildrauschen führt. Moderne Kameras schaffen immerhin bis ISO 2.000 eine akzeptable Bildqualität, es gibt sogar Spitzenmodelle, die bis ISO 10.000 ohne nennenswertes Bildrauschen fotografieren. Das Bildrauschen sieht man erst bei der Vergrößerung in einem Fotobuch, einem Wandbild oder einer Fotografie.

Auf einem Fest können die Motive statisch sein, etwa wenn sie an einem Tisch sitzen. Achte darauf, dass die Belichtungszeit nicht zu leicht verwackelten Bildern führt. Wer mit 1/60 Sekunde oder länger fotografiert, läuft Gefahr, dass kleine Verwackelungsunschärfen entstehen – meine Richtgröße ist daher 1/250 Sekunde oder kürzer. Lieber fotografiere ich mit kürzeren Belichtungszeiten und nehme dafür eine größere ISO-Zahl in Kauf. Oder ich arbeite mit Blitz. Beim Blitzen ist oftmals die Reflexion des Blitzlichts in Brillengläsern oder Fenstern störend. Wenn das Blitzlicht etwa in einem Winkel von 30 Grad auf die Reflexionsfläche trifft, hast du gute Chancen, keine Reflexe im Bild (in der Brille) zu haben. Einfach die Personen leicht seitlich fotografieren, eher nicht direkt von vorne.

Mit dem Aufsteckblitz geht die natürliche Lichtstimmung verloren. Achte wegen der Reflexionen darauf, Brillenträger nicht frontal, sondern leicht von der Seite zu blitzen.
Mit dem Aufsteckblitz geht die natürliche Lichtstimmung verloren. Achte wegen der Reflexionen darauf, Brillenträger nicht frontal, sondern leicht von der Seite zu blitzen.

Ich hoffe, dir mit meinen Tipps eine gute Basis zum Einfangen emotionaler Familienfotos geben zu können, und wünsche dir weiterhin viel Spaß beim Fotografieren.

Ralf Turtschi

Ralf Turtschi

Als Fachbuchautor und Publizist hat sich Ralf Turtschi einen Namen geschaffen. Er ist als Fotoreporter, Hobbyfotograf und Dozent unterwegs und gibt technische und gestalterische Tipps rund um die Fotografie weiter. Dabei haben es die Genres Natur, Landschaft, Porträt, Reisen, Makro, Architektur, Nacht besonders angetan.

Weitere Infos: www.agenturtschi.ch

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