Zeitrafferaufnahmen leicht erklärt

Zeitrafferaufnahmen leicht erklärt

So beschleunigen Sie die Zeit im Bild

Binnen weniger Sekunden sieht der Zuschauer Häuser entstehen, er sieht Blumen aus der Erde spriessen und sie anschliessend wieder verwelken. Zeitraffer-Aufnahmen lassen die Zeit wie im Flug vergehen, als drehte sich die Welt plötzlich schneller. Waren solch spannende Aufnahmen früher noch den Profis vorbehalten, können Sie diese inzwischen mit Ihrer Digitalkamera ganz einfach selbst erstellen. Wir zeigen Ihnen, was Sie dabei beachten sollten.

Die passende Motivwahl

Da sich die ganze Welt stetig im Wandel befindet, bietet sich grundsätzlich alles als Motiv an. Natürlich sind Landschaftsbilder mit sich bewegenden Wolken sowie Sonnenuntergänge während der „blauen Stunde“ zeitlich besser plan- und vor allem eingrenzbar als etwa die Errichtung von Bauwerken. Dennoch sind auch sich entfaltende Blüten oder die Dokumentation beim Hausbau sehr beliebt. Vorausgesetzt, Sie machen regelmässig ein Foto von der exakt gleichen Position aus.

Die richtige Ausrüstung

Abgesehen von einer Kamera, die Zeitraffer-Aufnahmen unterstützt und bestenfalls alle relevanten Einstellungen manuell erlaubt, sollten Sie ein Stativ oder zumindest einen festen, immer gleichen Punkt – wie zum Beispiel einen Stein – benutzen. So vermeiden Sie unnötige und störende Wackler im Schnelldurchlauf. Eine Spiegelreflexkamera bietet meist eine höhere Qualität und mehr Feintuning, doch auch einfache System- oder Digitalkameras verfügen oft über die nötige Serienbildfunktion. Achten Sie darauf, dass Ihr Akku voll geladen ist und die Speicherkarte noch genug Platz für ein paar hundert Bilder hat.

Die Einstellungen beachten

Nach dem Aufstellen des Stativs und der Wahl des richtigen Bildausschnitts – beachten Sie bei einem Sonnenuntergang vorher die etwaige Bahn der Sonne – haben Sie die Wahl, alles automatisch der Kamera zu überlassen oder einzelne Parameter manuell einzurichten. Dabei empfehlen wir eine eher offene Blende (kleine Blendenzahl) und einen möglichst kleinen ISO-Wert (50–200) zu verwenden. Vor dem Auslösen der Serienbildaufnahme sollten Sie die Kamera jedoch auf jeden Fall in den manuellen Modus setzen, damit die Kamera nicht während den Aufnahmen die Einstellungen verändert. Für erste Feldversuche sollten Sie „nur“ das JPG-Format verwenden. Zum einen reicht dann der Platz auf Ihrer Speicherkarte aus, zum anderen geht das Importieren und Nachbearbeiten erheblich schneller als mit den grossen RAW-Dateien.

Die Aufnahmefrequenz

Für ein flüssiges Video benötigen Sie am Ende 24 (besser noch 30) Bilder pro Sekunde (fps) Film. Die Frage ist also, in welchem Intervall Ihre Kamera die einzelnen Aufnahmen schiessen soll, um am Ende ein gutes Ergebnis zu bekommen. Hier gilt es einfach auszuprobieren. Rechnen Sie am besten mit einem Intervall von ein bis fünf Sekunden bei Strassenszenen oder Menschen auf einem Platz, fünf bis 15 Sekunden bei Aufnahmen der Sonne oder dem Himmel und für aufgehende Blüten können Sie eher 30 bis 60 Sekunden einkalkulieren. Bei längeren Projekten wie den Jahreszeiten oder dem Hausbau machen Sie lieber nur stündlich oder täglich ein Bild.

ifolor Selbstversuch. Intervall: 10 Sekunden. Belichtung: ¼ Sekunde. Aufnahmedauer: Etwas mehr als eine Stunde.

Die Software

Es gibt zahlreiche (auch kostenlose) Programme, mit deren Hilfe Sie nun aus den hunderten Einzelbildern ein Video zusammenstellen können. Zum einen können Sie mit fast jedem Videoschnittprogramm die Bilder komplett auf einmal importieren und als Video wieder ausgeben. Das geht zum Beispiel ganz leicht mit iMovie für den Mac, Adobe Premiere, Windows Movie Maker oder Photoshop Lightroom (testweise reicht auch die kostenlose Demoversion). Sie können aber auch einfach eine Foto-Slideshow (Diashow) mit Ihrem Standard-Bildbetrachter erstellen und beschleunigt ablaufen lassen. Achten Sie darauf, das Video bestenfalls mit 30 fps ausgeben zu lassen.

Alternativen: Das Smartphone

Smartphones und ihre Kameras werden zwar zunehmend ernste Konkurrenz für normale Digitalkameras, müssen jedoch auf Grund ihrer kleinen Grösse immer Kompromisse eingehen. Ein grosser Vorteil sind jedoch die unglaublich vielen Apps, die fast alle Systeme zu bieten haben. Darunter befinden sich auch zahlreiche und gute Time-Lapse-Applikationen, die Ihre Aufnahmen sofort auf dem Telefon zu einem Zeitraffer-Video zusammenstellen.

Von uns getestet und für gut befunden: «Miniatures» für iPhone und «Lapse it» für Android.

ifolor Selbstversuch II. «Miniatures», iPhone 5. Inverall: 2 Sekunden. Aufnahmedauer: eine Stunde und 15 Minuten. Nachträgliche Geschwindigkeitsanpassung in iMovie auf 150%. Tipp: In den Einstellungen können Sie die Belichtung "fixieren". Das ist gerade bei Dämmerungsaufnahmen wichtig, da ansonsten die Belichtung bei zunehmender Dunkelheit immer nachjustiert würde. Das Resultat wären Helligkeitssprünge in der Aufnahme. Auch hier zeigen sich die Grenzen von Smartphones; Spiegelreflexkameras können mit so etwas besser umgehen. Dafür ist das Smartphone immer dabei und schnell einsatzbereit. Ein, zwei Einstellungen und die Aufnahme kann beginnen.

Beispiele für Zeitrafferaufnahmen

Zeitraffer-Aufnahmen bieten immer wieder ungewöhnliche Einblicke und wundervolle oder überraschende Ergebnisse, wobei die Möglichkeiten schier unerschöpflich sind.  Es kommt dabei nicht selten vor, dass ganz nebenbei Bilder entstehen, die nicht nur im Video, sondern auch als gedruckte Foto-Serie wunderbar zusammen wirken. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und vor allem Spass beim Experimentieren.

Am meisten lernt man natürlich von den Profis: Erfahren Sie in diesem Artikel mehr über den Schweizer Fotografen Alessandro Della Bella und seine Zeitraffer-Serie «Helvetia by Night» (mit Video).

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Sterne ziehen über das Matterhorn während einer Langzeitbelichtung am Dienstag, 1. Februar 2011 in Zermatt. © Alessandro Della Bella

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