Polaroid-Fotos

Geschichte der Fotografie – Teil 6:

Durchsetzung der Sofortbildkamera

Sofortbildkameras waren eigentlich nie aus der Mode, aber gerade in den letzten Jahren erleben sie wieder ein Revival. Doch wann entstand die kleine Wunderkiste, wie funktioniert sie und warum nennen sie alle nur Polaroid-Kamera? Das und noch mehr erfahren Sie im sechsten Teil unserer Serie.

Alles beginnt mit einem Mädchen

Wie viele große Entdeckungen, beginnt auch diese mit einem kleinen Kind. Die Tochter des Physikers Edwin Herbert Land stellte ihrem Vater jene Frage, die ihn zur Entwicklung von Sofortbildern anregte: Warum muss sie so lange auf ihre Fotos warten? Sie möchte diese nicht erst entwickeln lassen, sondern sofort in den Händen halten. Edwin H. Land ging mit seiner Idee einer Sofortbildkamera zu Banken und Investoren, stieß jedoch auf taube Ohren: Wieso solle jemand seine Fotos sofort haben wollen? Also nahm Land das Ganze selbst in die Hand.

Kleine Folie, große Wirkung

Im Jahr 1933 entwickelte Edwin H. Land spezielle Polarisationsfolien, die auf einer gestreckten Polymer-Folie mit eindiffundiertem Jod basierten. Noch im gleichen Jahr meldete er Patent für die Folien an, vielleicht weil er ahnte, welch bahnbrechende Erfindung ihm damit gelungen war. Mit diesen Folien machte Land sich im Laufe der Zeit selbstständig und wandte sie sogar auf Sonnenbrillen an. Die Folien bekamen einen Namen, der später stellvertretend für alle Sofortbildkameras stehen sollte: Polaroid. Die Bezeichnung Polaroid-Kamera ist also nicht ganz korrekt, da es lediglich ein Markenname ist und andere Sofortbildkameras ausschließt.

Die sogenannte „Land-Kamera“, an der 1947 der Polaroid-Film demonstriert wurde
Die sogenannte „Land-Kamera“, an der 1947 der Polaroid-Film demonstriert wurde

Polaroid auf dem Vormarsch

Am 21. Februar 1947 war die Technik dann so weit entwickelt, dass sie in einer Balgenkamera erstmals zum Einsatz kam. Diese wurde zwar bereits viel früher entwickelt, eignete sich durch ihren Aufbau jedoch gut für den speziellen Polaroid-Film. Land entwickelte eigens dafür eine neue Balgenkamera, die er origineller Weise „Land-Kamera“ taufte. Ein Jahr später wurde dann die erste Polaroid-Kamera in Boston verkauft.

Viele Jahre lang war Polaroid alleiniger Vertreiber von Sofortbildkameras, bis auch andere Firmen sich an diese Technik wagten. In dieser Zeit schaffte Edwin H. Land mit seiner Firma eine Innovation nach der anderen. Als Ergebnis aufwändiger Forschungsarbeiten gelang es Polaroid im Jahr 1963, den weltweit ersten „1-Minuten-Farbfilm“ – Polacolor – herauszubringen.

Ein Polacolor-Film neben einer Sofortbildkamera
Ein Polacolor-Film neben einer Sofortbildkamera

Wirkungsmechanismus einer Sofortbildkamera

Bis zum Zeitpunkt der Polaroid-Folien war es üblich, Kameras mit Filmrollen zu bestücken. Stattdessen wurden nun besondere Papierblätter eingesetzt, deren Oberflächen der Beschaffenheit eines Negativfilms entsprachen. Da diese als besonders lichtempfindlich gelten, ist es besonders wichtig, den funktionstüchtigen Film nicht dem Tageslicht auszusetzen.

Das Fotomaterial enthält neben den Blättern auch die notwendigen Chemikalien in Form einer Paste, die für das Entwickeln des Bildes nötig sind. Zieht man die fertige Bildeinheit heraus, werden die Chemikalien zwischen Negativ und Positiv verteilt und transportieren, je nachdem ob es ein Schwarzweiß- oder Farbfilm ist, entweder Silberteilchen oder Farbstoffe. Diese werden im Positiv des Bildes eingelagert und trennen sich nach kurzer Entwicklungszeit vom Negativ.

25 Jahre später löste das Integralfilm-Verfahren diesen Entwicklungsprozess größtenteils ab, da es effektiver und sicherer ist. Dabei laufen alle o.g. Prozesse in einer rundum geschlossenen Bildeinheit ab. Die Belichtung erfolgt über einen Spiegel durch das durchsichtige Positiv, ein enthaltener Farbstoff schützt die Bildeinheit vor Licht.

Drei Polaroid-Fotos

Polaroid, Kodak, Fuji: Die Konkurrenz schläft nicht

Neben Polaroid gab es weitere namenhafte Firmen, die versucht haben, Sofortbildkameras zu etablieren. Zwei davon sind auch heute noch sehr bekannt.

Eine davon ist die Firma Kodak, die 1976 auf der Photokina mit ihrer EK-Serie erste Modelle ihrer Sofortbildkamera vorstellte. Diese waren noch sehr einfach konstruiert, teilweise musste der Bildauswurf mittels Kurbel angeregt werden. Die Kameras von Kodak verkauften sich bis Mitte der 1980er Jahre gut, allerdings geriet die Firma dann in einen Rechtsstreit mit Polaroid. Diese klagte Kodak der Patentverletzung an, welchen Letztere auch verloren. Infolge dessen stellte Kodak 1985 Herstellung und Vertrieb ihrer Sofortbildkameras ein.

In den letzten Jahren vertreibt Fuji sehr erfolgreich Sofortbildkameras. Vor allem die Instax-Reihe hat an Beliebtheit gewonnen und kommt gerade bei der jüngeren Generation sehr gut an, da sie Qualität und Einfachheit vereint. Die verwendeten Filme weisen allerdings einen Polaroid-Schriftzug auf, was jedoch nur möglich ist, weil Polaroids Patente ausgelaufen sind und sie keinerlei Anspruch mehr auf die Funktionsweise der Polaroid-Filme haben. Nicht ganz unerheblich ist auch die Tatsache, dass die Firma Polaroid 2008 Insolvenz anmelden und dadurch den Vertrieb ihrer Sofortbildkameras einstellen musste.

Eine Sofortbildkamera der Firma Fuji aus der Instax mini-Reihe
Eine Sofortbildkamera der Firma Fuji aus der Instax mini-Reihe

Bedeutung der Sofortbildkamera

Sofortbildkameras haben in den letzten Jahren wieder an großer
Beliebtheit gewonnen. Mittlerweile werden sie sowohl im offiziellen
Bereich als auch zum privaten Gebrauch genutzt:

  • Passbildkabinen
  • Wenig-Fotografierer, die ihre Bilder schneller benötigen, als sie einen konventionellen Film "verbraucht" hätten
  • Pressefotografen, die erste Aufnahmen den Redaktionen vorlegen können während die konventionellen Filme noch entwickelt werden
  • Vor-Ort-Fotografen z.B. in Vergnügungsparks, die ihre Bilder sofort an Käufer übergeben
  • Zur medizinischen oder juristischen Dokumentation (Arztpraxen, Unfallstellen, Tatorte)

Mit dem Aufkommen der Digitalfotografie wurden die Sofortbildkameras teilweise abgelöst. Heute sind sie aber vor allem wegen ihres Retrocharakters beliebt und werden von Nostalgikern geschätzt. Auch auf Partys gewinnen Fotoautomaten immer mehr an Beliebtheit. Diese funktionierten früher ebenfalls nach dem Polaroid-Prinzip, sind aber mittlerweile größtenteils mit Digitalkameras ausgestattet.

Allerdings birgt diese Art der Fotografie auch einige Nachteile. Zum einen sind Sofortbilder um einiges teurer als herkömmliche Bilder. Zum anderen steht der ökologische Aspekt bei Sofortbildkameras in der Kritik. Solche Filme sind erheblich aufwendiger herzustellen als andere, produzieren einen hohen Plastikabfall und verbrauchen Batterien. Des Weiteren ist die Haltbarkeit der Abzüge umstritten.

Polaroid is not dead

Sofortbildkameras haben es heutzutage nicht leicht, neben digitalen Kameras zu bestehen. Es gibt jedoch immer noch zahlreiche Liebhaber, die es sich zum Ziel gesetzt habe, die beliebten Polaroid-Filme nicht aussterben zu lassen. Nachdem diese 2008 die Produktion ihrer Filme eingestellt haben, zögerte das Projekt Impossible nicht lang und kaufte die Firma kurz vor deren Schließung auf. Die Idee stellte sich zunächst jedoch als Mammutaufgabe heraus: Die Produktionsmaschinen waren bereits abgebaut, die Beteiligten des Impossible-Projekts hatten keine Ahnung von der Herstellung von Sofortbildern und die Lieferkette war bereits unterbrochen. Sie fingen also quasi bei null an. Davon ließ sich das Impossible-Projekt jedoch nicht unterkriegen und so scharten sie Chemiker, Ingenieure und Fotografen um sich, mit denen der Polaroid-Film erneut zum Leben erweckt wurde.

Dank dieses beherzten Einsatzes sind heute wieder Filme von bester Polaroid-Qualität zu kaufen. Und nicht nur das, das Projekt Impossible renoviert zudem alte Kameras dieses Klassikers, sodass einem echten Polaroid-Feeling nichts mehr im Weg steht.

In der 1840er Jahren ist es kaum möglich gewesen, Kopien von Fotografien anzufertigen. Dieses gelang erst mit dem 1851 durch Frederick Scott Archer entwickelten «Nassen Kollodiumverfahren». Es vereinte gute Bildqualität mit Kosteneffizienz und löste die Daguerreotypie und die Kalotypie aus den 1840er Jahren ab. Das entstandene Negativ konnte problemlos umkopiert und so vervielfältigt werden. Allerdings war das Fotografieren durch die Selbstpräparation der lichtempfindlichen Platte kurz vor der Belichtung und der sofortigen Entwicklung im Anschluss mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Wirklich mobil waren die Fotografen so nicht – die Ausrüstung wog zum Teil mehr als 100 Kilogramm. Ab dem Jahr 1871 wurde das Fotografieren auf Gelatine-Trockenplatten immer populärer. Bereits 1875 wurden die Trockenplatten industriell hergestellt und erfreuten sich vor allem bei Amateurfotografen großer Beliebtheit. Ihr Vorteil bestand in der guten Lagerfähigkeit und dem geringeren Kaufpreis gegenüber den Nassplatten, was das Fotografieren massentauglicher machte.

Im Zuge der 1990er Jahre schritt der Digitalisierungsprozess enorm voran. Entwicklungen und Neuheiten der damaligen Zeit können Sie im siebten Teil der Geschichte der Fotografie nachlesen.

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