Ein Foto mit einer GoPro, während des Fahrradfahrens geschossen
Mit einer GoPro lassen sich tolle Aufnahmen machen, zum Beispiel während des Fahrradfahrens

Geschichte der Fotografie – Teil 9:

Action-Cams, Drohnen und andere Neuheiten

In Teil 8 wurde bereits deutlich, dass Smartphones bereits ihren Platz in der Welt der Fotografie eingenommen haben. Und auch die Kamera-Hersteller lagen nicht auf der faulen Haut herum, sondern haben sich stets um innovative Produkte bemüht, nicht zuletzt um dem wachsenden Druck der Smartphone-Industrie standhalten zu können. Im letzten Teil unserer Reihe der Geschichte der Fotografie wollen wir uns den Neuheiten der letzten Jahre widmen und einen Blick in die Zukunft werfen.

Die GoPro gewinnt an Beliebtheit…

Das Unternehmen GoPro, was übrigens werde professionell bedeutet, wurde 2002 gegründet. Nick Woodman, ein leidenschaftlicher Hobbysurfer, versuchte erfolglos einige tolle Aufnahmen beim Wellenreiten zu machen. Zu diesem Zeitpunkt gab es zwar bereits wasserdichte Kameras, jedoch war die Qualität für Woodman alles andere als überzeugend. Ihm kam die Idee, eine Kompaktkamera speziell für sportliche Aktivitäten auf den Markt zu bringen. Handlich und robust müsse sie sein, eben so, dass man sie zum Surfen mitnehmen könne. Nick Woodman begann damit, selbstgenähte Armbänder mit aufgesteckten Kameras aus einem Van heraus zu verkaufen. Das benötigte Startkapital lieh er sich von seinen Eltern. 2004 kam dann das erste Modell, die Hero 35mm, auf den Markt.

Eine GoPro Hero 4
Die GoPro Hero 4 ist das beliebteste Modell.

… und muss sich durchsetzen

Das Unternehmen war bis vor kurzem noch auf Erfolgskurs. Die Verkaufszahlen waren beträchtlich und Nick Woodman ging im Juni 2014 sogar an die Börse. Auch hier fuhr er mit der GoPro große Erfolge ein. Ende 2015 wendete sich dann das Blatt, denn erstmals blieben die Verkaufszahlen unter den Erwartungen. Schuld daran ist zum einen die doch relativ überschaubare Kundennische: Die GoPro spricht größtenteils Sportler an, für Gelegenheitsjogger und alle anderen ist diese Kamera weniger ansprechend. Das schränkt die mögliche Kundenvielfalt ziemlich ein. Zum anderen brachte das Unternehmen in regelmäßigen Abständen neue Modelle heraus, die zwar einerseits Auslaufermodelle ablösen sollten, aber sich andererseits nicht großartig voneinander unterschieden. Die Serie Hero 4 ist dabei die erfolgreichste und soll weiterhin vertrieben werden, andere Modelle werden seit April 2016 reduziert. Nicht zuletzt ist der Konkurrenzmarkt groß: Firmen wie Rollei und Sony sprangen auf den Zug auf und vertreiben seitdem nicht minder erfolgreich Action-Kameras. Nichtsdestotrotz ist GoPro heute immer noch eines der führenden Unternehmen in diesem Bereich.

Kamera-Smartphones versus Smartphone-Kameras

Auf den ersten Blick scheinbar ähnlich, haben die Begriffe doch eine völlig unterschiedliche Bedeutung. Letzterer bezieht sich auf Kameras, die in jedem Smartphone integriert sind – Smartphone-Kameras eben. Ersterer bezeichnet einen Hybriden aus einer Kamera und einem Smartphone, bei dem die Vorzüge aus beiden vereint sind.

Das Herzstück eines solchen Kamera-Smartphones ist ein größerer Sensor und zwar bis zu 15 Mal größer als der eines normalen Handys. Das hat den Vorteil, dass unter anderem Rauscheffekte auf Fotos vermieden werden. Hinzu kommt eine höhere Lichtempfindlichkeit mit einem ISO von bis zu 25.600, was ebenfalls zu einer besseren Bildqualität führt. Ein weiterer Pluspunkt solcher Smartphones sind hochwertige Objektive. Diese können besonders lichtstark sein, was beispielsweise für Innenaufnahmen vorteilhaft ist, oder es handelt sich um echte Zoomobjektive, wodurch starke Nahaufnahmen gemacht werden können, bei denen ein herkömmliches Handy mit Plastiklinse nicht annähernd mithalten kann.

 

Das Panasonic CM1, Hybrid aus einem Smartphone und einer Kamera. | CC BY 2.0 Kārlis Dambrāns
Das Panasonic CM1, Hybrid aus einem Smartphone und einer Kamera. | CC BY 2.0 Kārlis Dambrāns

Fazit: Wem eine gute Kamera bei seinem Handy wichtig ist, der sollte sich ein spezielles Kamera-Smartphone anschaffen. Dort bekommen Sie (fast) alle Möglichkeiten einer Kompaktkamera in Form eines Handys geboten. Wem das jedoch nicht wichtig ist, kann auf die üblichen Smartphones zurückgreifen. Deren Kameras sind auch nicht schlecht für den alltäglichen Gebrauch und werden in den kommenden Jahren sicherlich noch um einiges verbessert und ergänzt werden.

Die Invasion der Drohnen: Nützliches Gadget oder nervige Spielerei?

Vermutlich die umstrittenste Neuheit der letzten Jahre. Wurden sie davor hauptsächlich im Militärbereich eingesetzt, gewinnen die Quadrocopter (ugs. Drohnen) in den letzten Jahren auch für den privaten Gebrauch an Beliebtheit.

Œhmichen No. 2
Œhmichen No. 2, Aufnahme aus dem Jahr 1924

Der französische Luftpionier Étienne Œhmichen experimentierte bereits Anfang der 1920er Jahre mit Drehflügeln, bevor er sich selbst am 11. November 1922 mit seinem Œhmichen No. 2 in die Lüfte begab. Personentragende Quadrocopter werden heute nicht mehr eingesetzt, dafür steigt die Anzahl der Drohnen im Bereich der Luftbildfotografie und -videografie. Es ist grundsätzlich erlaubt, die kleinen Hubschrauber zum Spaß zu nutzen, allerdings gab es in der Vergangenheit oft Probleme wegen der Privatsphäre. Diese wird verletzt, wenn eine Drohne unerlaubte oder sogar ohne das Wissen der betroffenen Person Aufnahmen macht. Weiterhin dürfen Drohnen nicht außer Sichtweite fliegen, da eine Steuerung so erschwert und die Unfallgefahr erhöht wird. Zudem dürfen Sperrgebiete, beispielsweise Krankenhäuser oder auch Menschenansammlungen, nicht überflogen werden. Viele Regeln für so ein kleines Spielzeug, sodass viele eine Anschaffung dieses Gadgets vermutlich überdenken. Quadrocopter haben jedoch auch einen Nutzen, zum Beispiel in Katastrophengebieten. Opfer können dank der hohen Tragkraft der Minihubschrauber schnell erstversorgt werden. Außerdem nutzt die Deutsche Post AG seit 2013 Drohnen zum Ausliefern von Paketen.

Auch im privaten Bereich gewinnen die Drohnen an Beliebtheit. Wenn man sich an die vorgegebenen Regeln und Gesetze hält, ist der Einsatz solcher Flugkameras ein Gewinn; sei es durch tolle Film- und Fotoaufnahme von Partys, faszinierende Naturaufnahmen oder das Auskundschaften der eigenen vier Wände aus der Luft. Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Was soll jetzt noch kommen?

Man könnte den Eindruck bekommen, dass die Welt inzwischen alles gesehen hat. Und doch überrascht uns die Technikindustrie immer wieder mit etwas Neuem. Manche Erfindungen sind nützlich, andere sind überflüssig und wieder andere verstehen wir gar nicht erst. Ein Gadget, das viele nutzen, aber von fast genauso vielen belächelt wird, ist der Selfie-Stick. An fast allen Sehenswürdigkeiten, an schönen Plätzen oder auf Partys wird der beliebte Stick ausgefahren und munter drauflos geknipst. Mittlerweile gehört er zur Grundausstattung auf Reisen oder Feiern, auch wenn sich das vor einiger Zeit kaum jemand vorstellen konnte. Und wer weiß wo die Entwicklung noch hingehen wird.

Im Bereich der Fotografie wird es keinen Stillstand geben, da Fotos ein essentieller Bestandteil sind und an Wichtigkeit nicht verlieren werden. Wir wollen Momente und Erinnerungen festhalten, konservieren, erleben. Wird uns das durch verbesserte Technik und nützliche Gadgets erleichtert, ist das doch zweifelsohne eine Bereicherung.

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